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Thema: Dishydrotisches Ekzem

  1. #1
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    Standard Dishydrotisches Ekzem

    Guten Tag,

    in diesem Forum ist die Rede von Neurodermitis, Rosazea, Vitiligo. Ich frage mich, ob ich hier mit meinem Ekzem überhaupt an der richtigen Adresse bin.

    Kurz gefragt: Kann man eigentlich mittlerweile gegen ein dishydrotisches Ekzem etwas tun? Oder kann ich mich besser damit abfinden, dass es eigentlich keine Hoffnung auf eine Heilung gibt? Hat sich diesbezüglich in den letzten 5 bis 10 Jahren etwas in der Forschung getan?



    Vielen Dank. Gruß, M.B.

  2. #2
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    GUten Abend!

    Das dyshidrotische Ekzem kommt in der Tat zustande durch eine Veranlagung. Hinzu kommen äußere Faktiren, insbesondere schwitzen udn wenig atmungsaktive SChuhe.

    An der Veranlagung läßt sich nichts ändern, aber man eine Menge tun:
    ZB
    Atmungsaktive Schuhe tragen
    Bäder mit Gerbstopffen, sobald Bläschen entstehen, ZB Delagil oder Tannosynt
    Betamethason haltige Cremes (ZB Betagalen) frühzeitig einsetzten, dann ausschliechen
    Stress Reduktion.

    Herzlichen Gruß,

    Ihre Dr. Hadshiew

  3. #3
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    Liebe Frau Dr. Hadshiew,

    vielen Dank für die Tipps. In der Zwischenzeit war ich für etwas mehr als eine Woche krank zu Hause und habe das vierte Medikament innerhalb eines Jahres probiert - jetzt scheint es endlich zu helfen. Nachdem ich eine individuell zusammengesetzte Creme mit Triamcinolonacetonid Mikronesiert, Clotrimazol Micronesiert, Urea Pura und Unguentum Emulsificansaquosum erhielt, habe ich Delagil (Bäder), Urtimed und Dermatin probiert. Diprogenta Creme scheint jetzt zu wirken und erstmalig seit März schließt sich die Wunde. Die Entzündung, Schmerzen und Juckreiz verschwinden. Es heilt damit in ca. 4-5 Tagen fast komplett ab.

    Atmungsaktive Schuhe: habe ich bereits. Doch selbst darin ist es manchmal zu warm. Dreimal in dieser Woche ca. 1,5 km zur Arbeit zu gehen reichten aus, den Juckreiz wieder auszulösen. Würde ich die Schuhe anbehalten, wäre es in kurzer Zeit kaum auszuhalten - jeder Schritt zu Fuß eine Qual. Deshalb trage ich am Schreibtisch im Büro schon seit Jahren keine Schuhe und habe seit einem Jahr keinen Spaziergang mehr gemacht. Bis ich mit dem Ekzem zu tun bekam - vor dem 40. Lebensjahr gab es kein störendes Symptom - war ich ständig draußen zu Fuß unterwegs, und täglich joggen - plötzlich geht's nicht mehr.

    Es scheint mal Druck, mal Reibung, mal Wärme, mal Feuchtigkeit zu sein, was die Haut irritiert - alles kommt beim Gehen oder Laufen zusammen. 4 Wochen Urlaub in tropischem Klima, 40° C im Schatten bei 90% Luftfeuchtigkeit, den ganzen Tag in Sandalen, scheinen dagegen das geringere Problem zu sein, als 10 Minuten in warmen Schuhen. Ab einem gewissen Punkt schreitet die Krankheit auch ohne Belastung voran, auch wenn ich tagelang barfuß auf einem Stuhl sitze und die Füße sozusagen überhaupt nicht belaste. Das Jucken scheint zu unbewusstem Kratzen zu führen. Schmerz u. Jucken zu unregelmäßigem Schlaf - was wiederum zu einer langsameren Wundheilung führt, geringerem Konzentrationsvermögen, Reizbarkeit am Tag darauf. Wenig Bewegung zu geringerer Fitness und auf Dauer zu muskoskelettalen Beschwerden. Es ist komplex. Und es ist dynamisch: Nach Jahren mit dieser Krankheit kann ich nun sagen, dass der Grad der physikalischen Belastbarkeit der Haut schwankt - der Grad in dem ein beliebiges Medikament wirkt scheint auch zu schwanken. Manchmal sieht es viel schlimmer aus als es sich anfühlt, manchmal fühlt es sich viel schlimmer an, als man es der Haut ansieht. Damit scheint es in gewisser Hinsicht unberechenbar zu sein. Ich versuche dem System durch mehr Achtsamkeit auf die Spur zu kommen.

    Stressreduktion: Ich arbeite daran seit meiner Schulzeit. Gleich mehrere fernöstliche und westliche körperliche und mentale Entspannungs- und Meditationsverfahren, Stressimpfungstraining nach Meichenbaum etc. sind mir mittlerweile theoretisch und praktisch bekannt. Derzeit lerne ich autodidaktisch aus einem Buch 8 Wochen lang MBSR. Gerade weil ich mich in meiner Freizeit auf eine Prüfung (zum Thema Stress- u. Burnoutprävention) vorbereiten will, nervt es besonders, dass ich mich vor Schmerzen/Jucken nicht gerade gut aufs Lernen konzentrieren kann. Zum Glück kann ich den Prüfungstermin ohne Konsequenzen für die Ausbildung verschieben.

    Die physikalischen Einflussfaktoren kann ich begrenzt kontrollieren, sofern ich nicht aufhören will zur Arbeit zu gehen. Auf der Verhaltensebene scheint mir die Verbindung von Jucken und Kratzen ein möglicher Ansatzpunkt zu sein. Außerdem suche ich mir eine Alternative zum Laufsport - Beweglichkeit und Kraftsport auf der Yogamatte, o.ä.

    Seit gestern experimentiere ich also damit, in Selbsthypnose zu visualisieren, wie meine Füße in einem Kübel mit Eiswasser stehen. - Mal sehen, ob es was bringt. Wenn ich es schaffe, an meine Schuhe oder an den Juckreiz diese Vorstellung von Eiswasser zu triggern, und dabei die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr nicht zu verlieren, könnte es möglicherweise was bringen. Ob es wirklich funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

    Wenn ich zurückblicke in die Zeit der Diagnose (vorher hatte ich nie mit dem Symptom zu tun) hatte ich damals ziemlichen Stress bei der Arbeit, u.a. weil wir während eines laufenden Projektes an einen neuen Standort gezogen sind. Gleichzeitig bedeutete eine Superinfektion ziemlichen Stress, die vermutlich durch eine Fehlbehandlung mit Kortison noch verschlimmert wurde. Bei der Behandlung der Superinfektion wurde mir das Ekzem diagnostiziert. Die Büroräume riechen nach 10 Jahren immer noch unangenehm nach Chemie. Vielleicht ist es mittlerweile schon etwas schwächer geworden. Zum Glück kann ich die Fenster dauerhaft geöffnet lassen. Am Stress kann ich arbeiten. Könnte es zusätzlich mit dem Chemiegeruch aus dem Teppich oder den Möbeln zusammenhängen? Eine Allergie ist nicht bekannt.

    Das finde ich interessant: "verlässt das Haus seit Monaten nur noch für Pflichtveranstaltungen, hat daher auch den Kontakt zu anderen eingeschränkt, mit Sport aufgehört, schläft schlecht, konzentriert sich schlecht, macht Fehler, lernt schlecht, reagiert manchmal gereizt, schlecht gelaunt, manchmal resigniert etc."... beim Betrachten dieser Liste erinnert mich das an einige Aspekte, die ich aus meiner Ausbildung über Phasen eines Burnout kenne. Es scheint also auch hier trickreich zu sein, das Richtige zu sehen, wenn die Perspektive und die Vorannahmen in die falsche Richtung weisen. Wenn ich diese praktische Selbsterfahrung als Lektion meiner Ausbildung im Bereich Stress- und Burnoutprävention zum Thema "Erfahrungen im biopsychosozialen System" betrachte, kann ich der Situation vielleicht noch etwas Positives abgewinnen.


    Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch und alles Gute fürs neue Jahr.

    Mit freundlichen Grüßen,

    M.B.


    P.S. könnte eine Abhärtung mit kalten Duschen à la Pfarrer Kneipp evtl. auch hilfreich sein? Ich denke ich werde mich damit auch mal beschäftigen.
    Geändert von mbms (29.12.2018 um 14:50 Uhr)

  4. #4
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    Guten Tag!

    Tja, da zeigt sich mal wieder: Wir Menschen sind komplexe Wesen und alles hängt miteinander zusammen!

    Ich finde es sehr gut, dass Sie das Problem von mehreren Seiten angehen, das ist sicherlich hilfreich!

    Was die Haut betrifft, so muß das Ziel sein, die Hautbarriere wieder komplett herzustellen (Dh Abheilung der Entzündung, dann konsequente Pflege, damit die Haut dann wieder normal belastbar wird!)

    Viele meiner Patienten erreichen einen Zustand, in dem normale Aktivitäten (Spaziergänge, Sport) wieder möglich sind; Extrembelastungen sollten hingegen gemieden werden.

    Auch Ihnen ein frohes und gesundes Neues Jahr,

    Ihre Dr. Hadshiew

  5. #5
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    Guten Morgen, Frau Dr. Hadshiew,

    nach der Behandlung mit Diprogenta war ich nun fast 3,5 Monate symptomfrei bis wir ca. vor 2 Wochen dieses nasskalte Wetter hatten. Es könnte auch sein, dass ich in der Woche einige Nächte etwas weniger gut geschlafen habe (<5h), und dadurch mein Körper etwas "angeschlagen" war. Ich habe natürlich beim ersten Anzeichen wieder mein Medikament (Zusammensetzung s.u.) angewendet. Die Verschlechterung des Zustandes schreitet allerdings rapide voran. Die Haut ist stellenweise schon wieder kaputt (blutig), schmerzhafte Schwellungen bereiten beim Gehen schon gewisse Schwierigkeiten. Bei dem Medikament habe ich mal wieder den Eindruck, dass es nichts bewirkt. Beim Gehen habe ich das Gefühl, das "Problem" noch mehr zu reizen und zur Verschlimmerung beizutragen.

    Wie ist Ihre persönliche Meinung? Stellt mein derzeitiges Medikament mit Triamcinolacetonid (0,2g), Harnstoff (20g), Tannin (2g), Natrium-Lactat-Puffer 1:4 (10g), Anionische hydrophile Creme m. Propylenglycol (ad 200g) aus Ihrer Sicht eine gute Alternative zu einem Betamethason-haltigem Medikament wie Diprogenta dar? Sollte ich meinen Arzt darauf drängen, mir wieder Diprogenta o.ä. aufzuschreiben?

    Mit freundlichen Grüßen,

    M.B.
    Geändert von mbms (13.04.2019 um 08:30 Uhr) Grund: "Faktor" Schlafverhalten ergänzt

  6. #6
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    GUten Tag!

    Tut mir leid zu hören, dass es wieder schlechter geworden ist.

    Mein Tipp,
    Bäder mit Tannolact: nimmt den Juckreiz und trocknet gut aus.
    Diprogenta ist schon SEHR veraltet, da das Gentamicin darin kaum noch topisch verwendet wird. Besser ein reines Steroid, ZB Clobegalen (ist stärker als ihr Triamcinolon) im wechsel ZB mit einer antiseptischen Creme (Fucidine Cr) oder Gerbstoffen (Tannolact Cr).

    Gute Besserung,

    Ihre Dr. Hadshiew

  7. #7
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    Lächeln

    Hallo Frau Dr. Hadshiew.

    Danke für die Tipps.

    Das Foto von der rechten Hand ist von Mitte April:



    Da ich es nun auch plötzlich an den Händen bekommen habe (im letzten Sommer und Winter hatte ich es auch schon an den Händen und Füßen), hat mein Arzt mir nach langem abwägen Toctino-Kapseln (30mg) verschrieben. Und Diprogenta, weil ich danach gefragt habe, bevor ich Ihre Antwort gelesen habe. Jetzt scheint es nach 1 Packung Toctino wieder besser zu werden.

    Die Haut ist an den Händen mehr oder weniger komplett verheilt. An den Füßen braucht sie noch etwas Erholungszeit, dort sind einige Stellen noch verhornt und etwas rissig, andere Stellen noch rot und etwas gereizt. Der Juckreiz an Händen und Füßen taucht momentan nur noch sporadisch ca. 1x pro Woche auf und ist auszuhalten. Plötzlich kann ich jetzt bei Veranstaltungen auch wieder 8 Stunden lang Schuhe tragen, ohne dabei vor lauter Juckreiz "durchzudrehen". Statt der Kortisonsalbe - die liegt seit 2 Wochen im Kühlschrank - verwende ich z.Zt. nur noch normale Handcreme (Urea haltig, aus dem Drogeriemarkt). Ich habe noch etwas anderes, Jojoba-haltiges, ausprobiert - das scheint genauso gut zu sein. Interessanterweise scheint auch diese Creme nicht schlecht zu sein, wenn die Haut an den Füßen verhornt und rissig ist: Alverde Hornhaut Reduziercreme (von dm) mit Echinacea und Limette (!). Sie verkaufen es als "Naturkosmetik". Nach 1-2 Wochen scheint die Hornhaut jedenfalls wirklich zurück zu gehen, und die Haut dadurch wieder weniger anfällig für Risse zu sein.

    Delagil-Bäder verwende ich weiterhin. Wenn das Delagil verbraucht ist, kann ich ja beim nächsten Mal stattdessen Tannolact kaufen. Ich dachte bisher immer, das wäre ungefähr dasselbe.

    Gestern habe ich ein neues Rezept für eine weitere Packung Toctino bekommen - ich habe das Gefühl, es wirkt nicht nur auf die Hände, sondern auch auf die Füße. Anfang nächster Woche erfahre ich die Ergebnisse des 2. Bluttests. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass Übelkeit und starke Müdigkeit eine Wirkung von dem Mittel ist. Das hat sich aber nach ca. 1 Woche gelegt. Ich hoffe nach wie vor, dass ich es irgendwann wieder absetzen kann, da ich nicht gerade großes Interesse daran habe, regelmäßig und dauerhaft Medikamente mit so vielen möglichen Nebenwirkungen zu nehmen.


    Beste Grüße


  8. #8
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    Guten Tag!

    Das hört sich doch sehr gut an!
    Toctino wirkt in der Tat auf Hand- und Fußekzeme! Ich empfehle die Therapie so lange fortzusetzen, bis die Haut erscheinungsfrei ist, um so einem Rezidiv vorzubeugen); dann kann man einen Auslass-versuch machen, und ggf kleine Stellen nur mit der Cortisoncreme behandeln (falls welche auftreten( Konsequente Pflege ist natürlich auch wichtig; auch ZB das Verwenden von Schutzcremes (ZB Excipial oder Cetaphil protect). Tannolact (oder Delagil) können Sie ebenfalls bei Bedarf weiter verwenden.
    Herzlichen Gruß,

    Dr Hadshiew

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